Korallen erfolgreich im Labor vermehrt

Acropora tenius während des Ablaichens, Foto: © Dr. Samuel Nietzer.

Mitarbeitenden der Arbeitsgruppe Umweltbiochemie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gelang in ihren Aquarien am Standort Wilhelmshaven bundesweit erstmalig die geschlechtliche Vermehrung von Steinkorallen. Dafür stellten die Forschenden die Umweltbedingungen im Labor so nach, dass sie denen im Pazifischen Ozean, der Heimat der Korallen, entsprachen. Die sexuelle Vermehrung dieser Korallen gelang weltweit erst einige Male und bildet laut Dr. Samuel Nietzer, dem Leiter der Wilhelmshavener Aquarienanlage, einen großen Schritt für die Korallenforschung in Deutschland“.

Die verwendeten Acropora-Korallen gehören zur wichtigsten Gattung der Steinkorallen und kommen in natürlichen Korallenriffen sehr häufig vor. Beim Laichen geben Tausende der Hohltiere ihre Eizellen und Spermien gleichzeitig ins Wasser ab. Da dieses Massenereignis nur unter ganz besonderen Bedingungen stattfindet, stellt die Vermehrung im Aquarium eine Herausforderung dar: Nur wenn Tageslänge, Mondzyklus und Klimafaktoren mit den natürlichen Bedingungen übereinstimmen, kommt es zur geschlechtlichen Vermehrung der Korallen. Bislang wurden zur Riffaufforstung und für Aquarien schnellnachwachsende Teile von bestehenden Korallen ausgesetzt. Allerdings könnten sexuell vermehrte Jungtiere widerstandsfähiger sein und sich besser an veränderte Bedingungen anpassen, so die Hoffnung der Experten.

Durch speziell für diesen Zweck designte Technik und Anpassung der Aquarien wurden die natürlichen australischen Bedingungen in Wilhelmshaven gewährleistet. Die Forscher verwendeten Korallen aus Australien, die sie über den Aquaristik-Handel bezogen hatten. Pünktlich zum erwarteten Termin – etwa eine Woche nach Vollmond im Dezember – war es so weit: Die Korallen gaben Eier und Spermien in das Wasser ab. Die Keimzellen stiegen zur Wasseroberfläche und konnte dort eingesammelt werden. Um eine möglichst große genetische Vielfalt bei den Jungtieren zu erreichen, wurden Eier und Spermien aus unterschiedlichen Korallenkolonien vermischt und bei einer Befruchtungsrate von hundert Prozent konnten 50.000 entwickelte Larven nach wenigen Tagen zur Ansiedlung gebracht werden. Inzwischen seien die größten der überlebenden Nachkommen bereits einen Zentimeter groß.

Mit den hier gewonnenen Larven und Jungkorallen sollen nun Faktoren identifiziert werden, die Ansiedlung und Wachstum von Korallen fördern. Außerdem stehen auch Umwelteinflüsse wie Meeresverschmutzung im Fokus der Forschung. Diese neue Methode der Korallenaufzucht soll verwendet werden, um geschädigte Riffe aufzuforsten und um die Hohltiere besser erforschen zu können. 

 

Bild: Acropora tenius während des Ablaichens, Foto: © Dr. Samuel Nietzer.