Genetische Fehlfunktion von Astrozyten löst Migräne aus

Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit variierenden Symptomen und bislang nicht vollständig aufgeklärter Pathogenese. Neurowissenschaftler am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich konnten in Zusammenarbeit mit der Universität Padua (Italien) den Mechanismus bei einer speziellen Form der Krankheit identifizieren. Die sogenannte familiäre hemiplegische Migräne Typ 2 (FHM2) wird durch eine genetische Mutation verursacht und ist vererbbar. Das Team unter der Leitung von Mirko Santello stellt fest, dass eine Fehlfunktion von Astrozyten im cingulären Kortex – eine Hirnregion, die am Schmerzempfinden beteiligt ist – die Migräne fördert. Astrozyten haben u.a. die wichtige Funktion, überschüssige Botenstoffe aufzunehmen und abzubauen, die von Neuronen freigesetzt wurden. Die Glutamataufnahme der Astrozyten eines FHM2 Patienten ist jedoch beeinträchtigt, wodurch die Nervenzellen im cingulären Kortex viel stärker erregbar sind als bei gesunden Personen, was wiederum zu einer weiteren Ausschüttung von Botenstoffen durch Neuronen führt. Im Mausmodell konnten die Forscher durch eine genetische Veränderung der Astrozyten die Fehlfunktion umkehren und die migränetypischen Kopfschmerzen verringern. Die Studie trägt dazu bei, die Pathophysiologie der Migräne besser zu verstehen, und legt nahe, dass der cinguläre Kortex vermutlich ein kritischer Knotenpunkt der Krankheit ist. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, neue Behandlungsstrategien gegen familiäre Migräne zu entwickeln. Bild: Morphologische Rekonstruktion eines Neurons des cingulären Kortex bei Migräne (Quelle: Universität Zürich).