Wie sich Nervenzellen zum Abruf einer Erinnerung gezielt reaktivieren lassen

eil des Hippocampus einer Maus, der beim Erlernen einer neuen Aufgabe aktiviert wird. In grüner Farbe erscheinen die Neuronen, die die spezifische Erinnerung an diese Aufgabe codieren (Quelle: Ana M.M. Oliveira).

Die Wissenschaft geht davon aus, dass jede Erinnerung eine individuelle Repräsentation im Gehirn aufweist, die durch ein bestimmtes Muster an Neuronen codiert wird. Damit eine Erinnerung abgerufen werden kann, müssen ausreichend viele Neurone dieses spezifischen Musters im Gehirn reaktiviert werden. Forscher des Interdisziplinären Zentrums für Neurowissenschaften der Universität Heidelberg haben nun herausgefunden, dass sich der Abruf einer Erinnerung in Mäusen verbessert, wenn das Level des epigenetischen Faktors Dnmt3a2 selektiv erhöht wird. Dnmt3a2 sorgt wiederum dafür, dass bestimmte Proteine vermehrt hergestellt werden, die ihrerseits die Erinnerung beeinflussen. Die Wissenschaftler um Dr. Ana Oliveira trainierten hierfür Labormäuse in einer Pawlowschen Konditionierungsaufgabe und markierten die Nervenzellen im Hippocampus, die für die Erinnerung der erlernten Aufgabe relevant waren. Anschließend erhöhten die Wissenschaftler in genau diesen Zellen das Level des Proteins Dnmt3a2 und stellten fest, dass schon eine geringe Steigerung bei den Mäusen zu einer verbesserten Gedächtnisleistung führte. In vorangegangenen Studien konnten die Wissenschaftler bereits nachweisen, dass Dnmt3a2 bei Mäusen altersbedingt gestörte kognitive Funktionen wiederherstellen und das „Löschen“ traumatischer Erinnerungen erleichtern kann. Von ihren Ergebnissen erhoffen sie sich neue Impulse für die Erforschung der Frage, wie Nervenzellen, die für die Steuerung der Gedächtnisleitung zuständig sind, gezielt beeinflusst werden können. Bild: Teil des Hippocampus einer Maus, der beim Erlernen einer neuen Aufgabe aktiviert wird. In grüner Farbe erscheinen die Neuronen, die die spezifische Erinnerung an diese Aufgabe codieren (Quelle: Ana M.M. Oliveira).