Schnelle Evolution bei Fischen

Im und um den Bodensee finden sich zwei Ökotypen des Dreistachligen Stichlings, die sich unter dem Einfluss ihres jeweiligen Lebensraums entwickelt haben: links der See-Stichling, rechts der Fluss-Stichling. Die beiden Ökotypen unterschieden sich in zahlr

Obwohl Evolution gewöhnlich langsam abläuft, kann die Anpassung bestimmter Merkmale vergleichsweise schnell erfolgen. Abgesehen von Studien mit Mikroorganismen gab es bislang jedoch nur wenige Forschungsarbeiten, die empirisch belegen, wie schnell die natürliche Selektion auf die Gesamtheit des Erbgutes wirkt. Ein Forschungsteam um Dr. Daniel Berner vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel hat nun den Nachweis für die schnelle Evolution innerhalb einer Generation anhand der einheimischen Fischart des Dreistachligen Stichlings erbracht. Hierfür kreuzten die Wissenschaftler zunächst zwei verschiedene Ökotypen (See und Fluss) der Fischart über mehrere Generationen im Labor, um eine genetisch vielfältige Versuchspopulation zu erhalten. Anschließend entließen die Wissenschaftler die Versuchstiere in einen natürlichen Flusslebensraum ohne Stichlinge und setzten diese somit der natürlichen Selektion aus. Nach einem Jahr wurden die verbliebenen Fische eingefangen und mittels Genomanalyse daraufhin untersucht, ob die genetischen Varianten des ursprünglichen Fluss-Ökotypen bereits innerhalb einer Generation häufiger wurden. Dabei zeigte ein Vergleich geeigneter DNA-Sequenzen, dass sich die Häufigkeit der Flussvarianten auf Kosten der Seevarianten um etwa 2,5 Prozent erhöhte. Durch die Ergebnisse wurde deutlich, dass Evolution sehr zügig und vor unseren Augen ablaufen kann – und das nicht nur bei Mikroorganismen. Bild: Im und um den Bodensee finden sich zwei Ökotypen des Dreistachligen Stichlings, die sich unter dem Einfluss ihres jeweiligen Lebensraums entwickelt haben: links der See-Stichling, rechts der Fluss-Stichling. Die beiden Ökotypen unterschieden sich in zahlreichen Merkmalen des Körperbaus und Verhaltens (Quelle Universität Basel, Daniel Berner).