Strukturaufklärung der RNA-abhängigen RNA-Polymerase von SARS-CoV-2

Die Polymerase des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 vervielfältigt das Erbgut (blau und rot) des Erregers

RNA-abhängige RNA-Polymerasen übernehmen eine Schlüsselrolle während der Replikation des Genoms von RNA-Viren wie z. B. dem Coronavirus SARS-CoV-2 und bieten einen wichtigen Ansatzpunkt für die Erforschung medikamentöser Behandlungen. Bislang war die Struktur der RNA-Polymerase von SARS-CoV-2 jedoch noch nicht völlig aufgeklärt, wodurch dieser Prozess erschwert wurde. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen haben die räumliche Struktur der RNA-Polymerase von SARS-CoV-2 nun vollständig entschlüsselt. Um die dreidimensionale Struktur aufzuklären, hat das Team unter der Leitung von Patrick Cramer die Polymerase zunächst aus drei gereinigten Proteinen im Reagenzglas nachgebaut. Anschließend untersuchte das Team die Proben im Elektronenmikroskop bei über 100.000-facher Vergrößerung. Zu wissen, wie die SARS-CoV-2 -Polymerase Atom für Atom aufgebaut ist, eröffnet neue Möglichkeiten, den Erreger besser zu verstehen und zu bekämpfen. Im nächsten Schritt will das Forscherteam im Detail untersuchen, wie antivirale Substanzen die Vermehrung von Coronaviren blockieren. Im Fokus steht dabei der experimentelle Wirkstoff Remdesivir, der virale RNA-Polymerasen hemmt. Zudem sollen weitere strukturbiologische Aufklärungen neue Angriffspunkte im Virus aufdecken, um mittelfristig innovative Therapiestrategien ermitteln zu können. Bild: Die Polymerase des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 vervielfältigt das Erbgut (blau und rot) des Erregers (Quelle: © Lucas Farnung, Christian Dienemann, Hauke Hillen / Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie).