Die Inselrinde

Inmitten der Großhirnrinde liegt die Inselrinde. Hier treffen akute Sinneseindrücke, körperliche Zustände, Gefühle und Emotionen zusammen. Wie die Inselrinde diese Informationen verarbeitet und welchen Einfluss sie auf das Verhalten bei Mäusen hat, untersuchten Nadine Gogolla und ihr Team am Max-Planck-Institut für Neurobiologie. Die Nervenzellen der hinteren Inselrinde reagieren auf eine Vielzahl von Sinneseindrücken, Emotionen und Körperzuständen. Die hier verarbeiteten Informationen haben alle eine negative Auswirkung oder Signalwirkung auf das Tier. Interessanterweise können einzelne Nervenzellen dabei auf so unterschiedliche negative Reize wie Bitter, Furcht, Schmerz, Durst und körperliches Unwohlsein reagieren. Sobald die Zellen solch einen negativen Zustand erkennen, leiten sie die Informationen über zwei unterschiedliche Nervenbahnen zum Mandelkern oder dem Nucleus accumbens weiter und beeinflussen so das Verhalten. Die Aktivierung der Nervenbahn von der Inselrinde zum Mandelkern bewirkt vor allem Verhaltensanpassungen an Angst. Das Aktivieren der Nervenbahn zum Nucleus accumbens hatte dagegen den gleichen Effekt wie eine Krankheit: Die Mäuse hörten auf zu fressen. Interessanterweise konnten die Tiere trotz Übelkeit etwas fressen, wenn diese Nervenbahn inaktiviert wurde. Die so gezeigten mechanistischen Zusammenhänge in der Maus sind ein wichtiger Schritt um Angsterkrankungen, Depressionen und Essstörungen wirklich zu verstehen und eventuell einzudämmen, hoffen die Forscher.