Ansatz gegen die Entstehung von Krebs-Metastasen

Natürliche Killerzellen (bestimmte Immunzellen) wachen über den „Schlaf“ von Krebszellen und verhindern so, dass sie Metastasen bilden. © iStock

Natürliche Killerzellen (bestimmte Immunzellen) wachen über den „Schlaf“ von Krebszellen und verhindern so, dass sie Metastasen bilden. © iStock

 

Es ist eine unheilvolle Saat, die ein Tumor im Körper hinterlassen kann: Einzelne Krebszellen wandern aus dem Tumor in andere Gewebe des Körpers und überstehen dort in einer Art Winterschlaf auch Chemotherapien. Derzeit setzt die Krebsmedizin darauf, Betroffene nach der Erkrankung zu beobachten, um das Erwachen dieser Zellen und die Entstehung von Metastasen festzustellen. Eine der größten Fragen in der Krebsforschung ist, was genau dieses „Aufwachen“ auslöst.

Das Team um Prof. Dr. Mohamed Bentires-Alj am Departement Biomedizin der Universität Basel nutzen Versuche mit Mäusen und menschlichen Gewebeproben, um den Übergang vom „Winterschlaf“ zum „Wachzustand“ von Krebszellen zu entschlüsseln, die von einem Brusttumor aus in die Leber gewandert waren.

Die Schlüsselrolle bei diesem Übergang spielen zwei Zelltypen: Zum einen sogenannte natürliche Killerzellen, also Immunzellen, die entartete oder infizierte Zellen abtöten, aber auch ihre Vermehrung ausbremsen können. Genau dies scheinen sie bei den schlafenden Krebszellen zu tun, wie die Forschenden feststellten. Die natürlichen Killerzellen schütten einen Botenstoff namens Interferon-gamma aus, der die Krebszellen im Winterschlaf hält. Der andere Zelltyp, die sogenannten hepatischen Sternzellen, beeinflusst die natürlichen Killerzellen. Werden diese Leber-Sternzellen aktiviert, hemmen sie die Immunzellen, wodurch wiederum die Krebszellen aus dem Winterschlaf erwachen können. Die Aktivierung der hepatischen Sternzellen kann viele Gründe haben, zum Beispiel chronische Entzündungen im Körper oder eine anhaltende Infektion. Die genauen Ursachen wollen die Forschenden in weiteren Studien aufklären.

Die nun veröffentlichten Ergebnisse zeigen mehrere mögliche Angriffspunkte auf, um eine Metastasenbildung zu verhindern: Eine Immuntherapie auf der Basis von Interleukin-15, die die Anzahl natürlicher Killerzellen im Gewebe erhöht, eine Interferon-gamma-Therapie, die den Schlafzustand der Krebszellen aufrechterhält, sowie Hemmstoffe gegen den Mechanismus, durch den die hepatischen Sternzellen die natürlichen Killerzellen lahmlegen. Entsprechende Therapien existieren bereits. Sie müssen allerdings zunächst klinisch getestet werden.