Nachgefragt: Dr. Falk Hillmann im Interview

Dr. Falk Hillmann ist Biologe und Leiter der unabhängigen Nachwuchsgruppe Evolution Mikrobieller Interaktionen am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V. – Hans-Knöll-Institut (HKI).

Dr. Falk Hillmann ist Biologe und Leiter der unabhängigen Nachwuchsgruppe Evolution Mikrobieller Interaktionen am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V. – Hans-Knöll-Institut (HKI).

 

1. Nennen Sie bitte 3-5 Kern-Stichpunkte zu Ihrem Forschungsgebiet.

„Mikrobielle Interaktionen, Amöben, Pilze, Sekundärmetabolite, Evolution “

 

2. Was macht für Sie die Faszination an Ihrem Forschungsbereich aus – weshalb haben Sie sich gerade für diese wissenschaftliche Thematik entschieden?

„Als ich das erste Mal einer selbstisolierten Amöbe 10 min bei ihrer „Arbeit“ zugeschaut habe, war mein Forscherpuls auf 180, ihre eleganten Bewegungen, ihre Jagd, ihre Effizienz und der Gedanke wie oft sich wohl solche Szenen auf jedem Laubblatt seit Millionen von Jahren abspielen. Mir war auch klar, dass über diese recht großen und überall vorkommenden Mikroorganismen eher wenig bekannt ist, weil die Laborarbeit bei vielen Arten doch recht mühselig ist. Hat man es geschafft, gibt es aber immer wieder größere und kleinere Überraschungen. Einige klären wir irgendwann auf und andere bleiben wohl noch lange ein Geheimnis.“

 

3. Was ist für Sie das Highlight Ihrer Forschungsergebnisse der letzten 5 Jahre?

„Ein Highlight war sicherlich, als wir gemeinsam mit Gernot Glöckner aus Köln und vielen anderen Partnern das Genom von Protostelium aurantium entschlüsseln konnten. Es hat lange gedauert und es gab auch viele Rückschläge, aber am Ende ist es für uns und hoffentlich viele andere eine wichtige Quelle für weitere Arbeiten. Ein Highlight war auch der Tag an dem mir meine Mitarbeiterin Iuliia Ferling ein Foto zeigte, wie die Amöbe sich in eine Pilzhyphe quetscht. Ich konnte es nicht glauben und sagte ihr, sie solle ein Video davon aufnehmen. Das räumte dann wirklich jeden Zweifel aus. Und auf ein echtes Highlight demnächst freue ich mich schon.“

 

4. Bitte nennen Sie 2-5 Schlüsselpublikationen zu Ihrem Highlight-Thema.

„Unser erstes Amöbenpaper 2015 (Hillmann et al., 2015, Environmental Microbiology; PMID: 25684622) war ein Erfolg, aber auch eine Beruhigung, dass es überhaupt experimentell funktioniert. Auch die Entdeckung, dass bestimmte Amöben quasi jede Art von Pilz fressen können, sogar Hyphen durch eine Invasion, war sicher eine tolle Entdeckung (Radosa et al., Environmental Microbiology PMID: 30868709). Zuletzt haben wir auch dank der Zusammenarbeit mit Thierry Soldati in Genf zeigen können, wie ähnlich die Vorgänge in menschlichen Immunzellen und Amöben sind, wenn sie auf eine recht wehrhafte Pilzspore treffen (Ferling et al. 2020; mBio; PMID: 32457245)“

 

5. Von welchen Ihrer Interessen außerhalb der Naturwissenschaft hat Ihre wissenschaftliche Arbeit profitiert? Gibt es da etwas?

„Sicherlich ganz klar vom Sport. Manches hat mich schon so ein bisschen an ein Tennismatch erinnert. Man ist motiviert, hat ein klares Ziel, erst läuft alles gut und dann kommt eine Phase wo scheinbar nichts gelingt, egal was man probiert. Aber erstens kann man jedes Spiel noch wenden und außerdem gibt es auch wieder eine neue Chance. Ich denke, bis zum Schluss nicht aufgeben zu wollen, ist schon etwas was hilft.“

 

6. Wie bekommen Sie den Kopf frei, wenn ein Projekt mal stockt bzw. wann fallen Ihnen die besten Lösungsansätze für eine aktuelle Fragestellung ein?

„Den Kopf bekomme ich fast jedes Mal frei, wenn ich mit dem Fahrrad nach Hause fahre. Das sind 30 min volle Konzentration auf den Waldweg oder den Verkehr. Aber ehrlich gesagt, klappt es auch nicht immer. Die besten Ideen fallen mir aber fast immer ein, wenn man nicht gerade im Labor ist oder, wenn man gerade gehen wollte, sollte, müsste.“

 

7. Welchen Geheimtipp würden Sie gerne angehenden Wissenschaftler:innen mit auf den Weg geben?

„Wenn es einen richtig guten gibt, wüsste ich ihn selbst gerne und am meisten kommt es wohl darauf an, welche Ziele man erreichen möchte. Generell würde ich raten, möglichst viel Überblick zu behalten und sich eben nicht nur immer mit dem eigenen Spezialgebiet auf der eigenen Fachkonferenz vorzustellen. Dass man im Internet und selbst in einem pdf-file immer ganz schnell genau das findet was man sucht, ist Segen und Fluch zugleich. Eben auch ein Fluch, weil man die Chance verpasst, dass eine überraschende Antwort aus einer gänzlich unerwarteten Ecke zu bekommen.“

 

 

Den Artikel von Juliia Ferling, Silvia Radosa und Falk Hillmann finden Sie in der BIOspektrum-Ausgabe 5/21: Jäger und Gejagte – wie sich Pilze gegen räuberische Amöben wehren