Nachgefragt: Dr. Tobias Pirzer im Interview

Tobias Pirzer

Dr. Tobias Pirzer hat an der TU München Biophysik studiert. Seit 2012 ist er Senior Scientist in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. F. C. Simmel an der TU München

 

 

1. Nennen Sie bitte 3-5 Kern-Stichpunkte zu Ihrem Forschungsgebiet. 
„Synthetische Biologie, Synthetische Zellen, Stimulus-sensitive Peptide, Phagen-basierte gerichtete Evolution“

2. Was macht für Sie die Faszination an Ihrem Forschungsbereich aus – weshalb haben Sie sich gerade für diese wissenschaftliche Thematik entschieden?
„Ich bin seit meiner Jugend an Physik und Molekularbiologie interessiert. Da waren das Biophysik-Studium und mein jetziges Arbeitsfeld quasi vorprogrammiert. Außerdem hält sich Biologie nicht immer exakt an bekannte Regeln, was die Arbeit sehr spannend und abwechslungsreich macht.“

3. Was ist für Sie das Highlight Ihrer Forschungsergebnisse der letzten 5 Jahre?
„Mein Highlight sind definitiv die dynamischen Peptidvesikel. Ich würde gerne grundlegend verstehen wie man deren Wachstum und Teilung gezielt beeinflussen oder sogar steuern kann.“

4. Bitte nennen Sie 2-5 Schlüsselpublikationen zu Ihrem Highlight-Thema.

  • Frank T, Vogele K, Dupin A et al. (2020) Growth of Giant Peptide Vesicles Driven by Compartmentalized Transcription–Translation Activity. Chem Euro J 26:17356– 17360
  • Vogele K, Frank T, Gasser L et al. (2018) Towards synthetic cells using peptide-based reaction compartments. Nat Commun 9:3862
  • Vogele K, Frank T, Gasser L (2019) In Vesiculo Synthesis of Peptide Membrane Precursors for Autonomous Vesicle Growth. J Vis Exp 148
  • Vogele K, Pirzer T, Simmel FC (2019) Genetically Encoded Membranes for Bottom-Up Biology. ChemSystemsChem 46:2543

5. Von welchen Ihrer Interessen außerhalb der Naturwissenschaft hat Ihre wissenschaftliche Arbeit profitiert? Gibt es da etwas?
„Wenn ich mich in meiner Freizeit entspannen kann, wie z. B. eine Wanderung in den Bergen, dann ist das auch für die Arbeit sehr hilfreich. Science-Fiction Romane sind auch eine hervorragende Quelle der Inspiration.“

6. Wie bekommen Sie den Kopf frei, wenn ein Projekt mal stockt bzw. wann fallen Ihnen die besten Lösungsansätze für eine aktuelle Fragestellung ein?
„Das wichtigste ist eine Ablenkung vom diesem einen stockenden Projekt. Man ist in der Forschung immer in mehreren Projekten involviert, daher geschieht das sogar automatisch. Weil man dabei auch die Perspektive wechselt, gibt es gelegentlich gegenseitigen Input. Jedoch ist das Abschalten am Ende des Tages und am Wochenende ein entscheidender Faktor für mich. Dabei geht es immer raus in die Natur oder bei zu schlechtem Wetter mit einem Buch auf die Couch. Etwas Langeweile schadet hin und wieder auch nicht, da das Gehirn unterbewusst weiter arbeitet. Neue Lösungsansätze fallen mir am besten ein, wenn ich komplett abgelenkt bin, oder die Perspektive wechsle, wie z. B. mal ein Literaturseminar für Studierende im Bachelorstudium.“

7. Welchen Geheimtipp würden Sie gerne angehenden Wissenschaftler/innen mit auf den Weg geben?
„Bleibt gedanklich flexibel und neugierig.“

Den Artikel von Tobias Pirzer finden Sie in der BIOspektrum-Ausgabe 6/21: „Dynamische Peptidvesikel als Vorstufe synthetischer Zellen?"