Nachgefragt: PD Dr. Julia E. Weigand im Interview

PD Dr. Julia E. Weigand ist Biologin und Gruppenleiterin sowie Privatdozentin für Mikrobiologie an der Technischen Universität Darmstadt.

PD Dr. Julia E. Weigand ist Biologin und Gruppenleiterin sowie Privatdozentin für Mikrobiologie an der Technischen Universität Darmstadt.

 

1. Nennen Sie bitte 3-5 Kern-Stichpunkte zu Ihrem Forschungsgebiet.
„Genregulation, RNA-Struktur, RNA-Protein-Interaktionen, mRNA-Abbau“

 

2. Was macht für Sie die Faszination an Ihrem Forschungsbereich aus – weshalb haben Sie sich gerade für diese wissenschaftliche Thematik entschieden?
„Mich hat schon immer fasziniert, wie Zellen ihre Genexpression steuern können, um genau zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Proteine verfügbar zu haben. In meinem ersten Laborpraktikum habe ich mich dann in RNA verliebt, weil es einfach unglaublich ist, welch komplexe Gebilde RNA-Moleküle mit nur vier Bausteinen ausbilden können.“

 

3. Was ist für Sie das Highlight Ihrer Forschungsergebnisse der letzten 5 Jahre?
„Wir konnten basierend auf evolutionärer Konservierung der RNA-Faltung, hunderte neue mRNA-Regulationselemente identifizieren, welche rein basierend auf ihrer 3-dimensionalen Struktur die Genregulation steuern können. Weiterhin konnten wir zeigen, dass diese mRNA-Elemente abhängig von ihrem Faltungsstatus mit verschiedenen Proteinen interagieren können, und damit potentiell verschiedene zelluläre Signale integrieren können.“

 

4. Bitte nennen Sie 2-5 Schlüsselpublikationen zu Ihrem Highlight-Thema.

  • Binas O, Tants JN, Peter SA, Janowski R, Davydova E, Braun J, Niessing D, Schwalbe H, Weigand JE*, Schlundt A* (2020) Structural basis for the recognition of transiently structured AU-rich elements by Roquin. Nucleic Acids Res 48: 7385-7403. 
  • Braun J, Fischer S, Xu ZZ, Sun H, Ghoneim DH, Gimbel AT, Plessman U, Urlaub H, Mathews DH, Weigand JE (2018) Identification of new high affinity targets for Roquin based on structural conservation. Nucleic Acids Res 46: 12109-12125. 

 

5. Von welchen Ihrer Interessen außerhalb der Naturwissenschaft hat Ihre wissenschaftliche Arbeit profitiert? Gibt es da etwas?
„Mit Interessen außerhalb der Wissenschaft sieht es bei mir ganz schlecht aus. Die sind praktisch null. Meine Arbeit profitiert aber von ungezählten, interdisziplinären Kollaborationen mit Arbeitsgruppen aus der Strukturbiologie, Bioinformatik, Pharmazie, Medizin, Chemie und Physik. Ein anderes Fachgebiet beinhaltet oft andere Denkweisen und damit auch neue Forschungskonzepte/-möglichkeiten.“

 

6. Wie bekommen Sie den Kopf frei, wenn ein Projekt mal stockt bzw. wann fallen Ihnen die besten Lösungsansätze für eine aktuelle Fragestellung ein?
„Wenn ich abschalten muss, gehe ich spazieren. Am liebsten in einem Park oder im Wald. Zur Not laufe ich aber auch im Labor oder in meinem Büro auf und ab. Beim hin und her laufen fallen mir dann Problemlösungen – oder auch Interviewformulierungen ;-) – ein.“

 

7. Welchen Geheimtipp würden Sie gerne angehenden Wissenschaftler:innen mit auf den Weg geben?
„Haben Sie keine Angst vor Neuem. Probieren Sie neue Methoden, neue Modellorganismen und neue Kollaborationen aus. Und haben Sie keine Angst Fehler zu machen. Fehler sind unvermeidbar. Die Kunst ist es daraus zu lernen und daran zu wachsen.“

 

Den Artikel von Julia E. Weigand et al. finden Sie in der BIOspektrum-Ausgabe 4/21: „mRNA-Strukturen steuern die posttranskriptionelle Genregulation