Nachgefragt: Prof. Dr. Miriam Liedvogel im Interview

Prof. Dr. Miriam Liedvogel ist eine deutsche Biologin und leitende Direktorin des Instituts für Vogelfoschung „Vogelwarte Helgoland“ in Wilhelmshaven. Das Foto zeigt eine männliche Mönchsgrasmücke mit Geolokator auf dem Rücken.

Prof. Dr. Miriam Liedvogel ist eine deutsche Biologin und leitende Direktorin des Instituts für Vogelfoschung „Vogelwarte Helgoland“ in Wilhelmshaven. Das Foto zeigt eine männliche Mönchsgrasmücke mit Geolokator auf dem Rücken.
 

 

1. Nennen Sie bitte 3-5 Kern-Stichpunkte zu Ihrem Forschungsgebiet. 
„Vogelzug, Orientierung, Evolution, Genetik“

 

2. Was macht für Sie die Faszination an Ihrem Forschungsbereich aus – weshalb haben Sie sich gerade für diese wissenschaftliche Thematik entschieden? 
„Besonders faszinierend finde ich Jungvögel auf ihrem ersten Langstreckenzug. Diese kleinen Vögel fliegen zielgenau über tausende von Kilometern, oft über Kontinente hinweg, in ein Überwinterungsgebiet, in dem sie noch nie zuvor gewesen sind – und zwar nachts, alleine, und ohne die Hilfe ihrer Eltern, dafür aber mit bewundernswerter Genauigkeit! Wie schaffen sie das?“

 

3. Was ist für Sie das Highlight Ihrer Forschungsergebnisse der letzten 5 Jahre?
„Eine Mönchsgrasmücke, die mit einem Geolokator ausgestattet nach erfolgreichem Zug ins Überwinterungsgebeit und wieder zurück in ihr Brutgebiet wieder in den Händen zu halten. Anhand der auf dem Geolokator gespeicherten Daten lässt sich die Zugroute rekonstruieren.“

 

4. Bitte nennen Sie 2-5 Schlüsselpublikationen zu Ihrem Highlight-Thema.

  • Van Doren et al. 2021. Human Human activity shapes the wintering ecology of a migratory bird. Global Change Biology. doi: 10.1111/gcb.15597
  • Delmore, Van Doren et al. 2020. Individual variability and versatility in an eco-evolutionary model of avian migration. Proceedings of the Royal Society B 287, 20201339. doi: 10.1098/rspb.2020.1339
  • Delmore et al. 2020. The genomics of European blackcap migration. eLife. 9, e54462. doi: 10.7554/eLife.54462

 

5. Von welchen Ihrer Interessen außerhalb der Naturwissenschaft hat Ihre wissenschaftliche Arbeit profitiert? Gibt es da etwas? 
„Kunst. Malerei. Graphisches Illustrieren komplexer Zusammenhänge. Geschichten erzählen.“

 

6. Wie bekommen Sie den Kopf frei, wenn ein Projekt mal stockt bzw. wann fallen Ihnen die besten Lösungsansätze für eine aktuelle Fragestellung ein? 
„Kopf frei? Laufen! Gerne auch gegen den Wind oder am Berg (letzteres ist hier im Norden jedoch schwierig).“

 

7. Welchen Geheimtipp würden Sie gerne angehenden Wissenschaftler/innen mit auf den Weg geben? 
„Ganz sicher kein Geheimtipp aber etwas, was vielleicht in der Gewichtung etwas unter den Tisch fallen gelassen wird: Ich bin überzeugt davon, dass es neben wissenschaftlicher Expertise mindestens genauso wichtig ist nach einem unterstützenden Umfeld zu suchen, das Freiraum bietet zu forschen, auszuprobieren, auch mal ein Experiment in den Sand zu setzen, und dennoch den Rückhalt bietet, den es braucht zu wachsen.“

 

 

Den Artikel von Miriam Liedvogel et al. finden Sie in der BIOspektrum-Ausgabe 1/21: „Molekulare Grundlagen des Vogelzugs