Nachgefragt: Prof. Dr. Simone Prömel im Interview

Prof. Dr. Simone Prömel

Prof. Dr. Simone Prömel war Nachwuchsgruppenleiterin am Rudolf-Schönheimer-Institut für Chemie an der Universität Leipzig und ist jetzt Professorin für Zellbiologie an der Universität Düsseldorf 

 

1. Nennen Sie bitte 3-5 Kern-Stichpunkte zu Ihrem Forschungsgebiet. 
 Adhäsions G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (aGPCR)

  • Signaltransduktion
  • Physiologische Funktionen
  • Metabolismus
  • Zellbiologie

2. Was macht für Sie die Faszination an Ihrem Forschungsbereich aus – weshalb haben Sie sich gerade für diese wissenschaftliche Thematik entschieden?
„Das Forschungsfeld der aGPCR ist ein noch recht junges Feld. Diese Rezeptoren sind noch kaum verstanden, was überraschend ist, da sie essenzielle Funktionen in verschiedensten biologischen Prozessen und zudem in der Entstehung von unterschiedlichen Krankheiten besitzen. Dies macht sie auch zu interessanten pharmazeutischen Zielmolekülen. Zugleich sind es extrem ungewöhnliche GPCR, weil sie sehr divers sind und über ihre außerordentlich langen extrazellulären N-Termini ganz verschiedene Funktionen koordinieren (z.B. Adhäsion, was sich auch im Namen Adhäsions-GPCR niedergeschlagen hat). Zu verstehen, wie aGPCR Signale vermitteln und insbesondere, wie diese dann in physiologische Funktionen umgesetzt werden, hat mich schon während meiner Promotion fasziniert und mich seitdem auch nicht mehr losgelassen.“

3. Was ist für Sie das Highlight Ihrer Forschungsergebnisse der letzten 5 Jahre?
„Meine Arbeitsgruppe hat entdeckt, dass aGPCR nicht nur klassische Signale in eine Zelle über G-Proteine vermitteln, sondern dass auch der N-Terminus der Rezeptoren selbst Signale auslösen kann, die dann z.B. auf benachbarte Zellen wirken. Diese duale Funktion ist sehr ungewöhnlich für Rezeptoren und ermöglicht eine Vielzahl an möglichen Interaktionen, die wir derzeit noch erforschen.“

4. Bitte nennen Sie 2-5 Schlüsselpublikationen zu Ihrem Highlight-Thema.

  • Röthe J, Thor D, Winkler J, Knierim AB, Binder C, Huth S, Kraft R, Rothemund S, Schöneberg T, Prömel S (2019) Involvement of the Adhesion GPCRs Latrophilins in the Regulation of Insulin Release. Cell Reports 26(6):1573-1584
  • Nazarko O, Kibrom A, Winkler J, Stoveken H, Leon K, Salzman G, Merdas K, Lu Y, Narkhede P, Tall G, Prömel S, Araç D (2018) A comprehensive mutagenesis screen of the adhesion GPCR Latrophilin-1/ADGRL1. iScience  3:264-278
  • Demberg LM, Winkler J, Wilde C, Simon KU, Schön J, Rothemund S, Schöneberg T, Prömel S#, Liebscher I# (2017) Activation of adhesion GPCRs: agonist specificity of Stachel sequence-derived peptides. J Biol Chem. 292(11):4383-4394
  • Müller A, Winkler J, Fiedler F, Sastradihardja T, Binder C, Schnabel R, Kungel J, Rothemund S, Hennig C, Schöneberg T, Prömel S (2015) Oriented cell division in the C. elegans embryo Is coordinated by G-protein signaling dependent on the Adhesion GPCR LAT-1. PLoS Genet. 11(10):e1005624.
  • Prömel S, Frickenhaus M, Hughes S, Mestek L, Staunton D, Woollard A, Vakonakis I, Schöneberg T, Schnabel R, Russ AP, Langenhan T (2012) The GPS motif is a molecular switch for bimodal activities of Adhesion-class G protein-coupled receptors. Cell Reports 2(2): 321-331.

5. Von welchen Ihrer Interessen außerhalb der Naturwissenschaft hat Ihre wissenschaftliche Arbeit profitiert? Gibt es da etwas?
„Ich interessiere mich sehr für Geschichte und lese gerne. Deshalb finde ich es sehr spannend, wie sich Wissenschaft entwickelt hat und wie Entdeckungen gemacht wurden. Das hilft mir bei meiner wissenschaftlichen Arbeit, da es immer wichtig ist zu wissen und zu verstehen, was bereits erforscht wurde und wie sich Erkenntnisse entwickelt haben. Daraus kann ich viel für meine eigene Forschung lernen.“

6. Wie bekommen Sie den Kopf frei, wenn ein Projekt mal stockt bzw. wann fallen Ihnen die besten Lösungsansätze für eine aktuelle Fragestellung ein?
„Am besten bekomme ich den Kopf frei, wenn ich mit meinen beiden Kindern spiele. Sie bringen mich auf andere Gedanken und schaffen es immer wieder, mir Blickwinkel und Sichtweisen auf Dinge aufzuzeigen, die ich so nicht hätte und die mich auch oft zum Schmunzeln bringen.
Die besten Lösungen für Fragen kommen mir meist nachts. Da kann ich am besten und in Ruhe nachdenken.“

7. Welchen Geheimtipp würden Sie gerne angehenden Wissenschaftler/innen mit auf den Weg geben?
„Niemals aufgeben und sich immer die Neugier bewahren!“

 

Den Artikel von Victoria Elisabeth Groß und Simone Prömel finden Sie in der BIOspektrum-Ausgabe 5/21: Duale Rezeptorsignale: Wie setzen Adhäsions- GPCR Signale in Funktion um?