Neuer VAAM-Innovationspreis zur Vitaminproduktion und VAAM-Forschungspreis 2021 für Antibiotikaforschung

VAAM-Preise

Vitamin B2 (Riboflavin) benötigt der Körper für zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Als Zusatzstoff für Lebens- und Futtermittel und natürlicher gelber Farbstoff ist das Vitamin von hohem industriellen Interesse. Birgit Hoff (BASF SE) gelang es, den Pilz Ashbya gossypii durch Einsatz moderner molekularbiologischer Methoden zur erhöhten Produktion von Vitamin B2 anzuregen. Voraussetzung dafür war die Aufklärung des Riboflavin-Stoffwechsels und seiner komplexen Regulation. Durch gezielte genetische Veränderungen (rationales Stammdesign) steigerte Hoffs Team die Produktausbeute. Die entsprechend optimierten Pilzstämme werden heute zur kommerziellen Produktion von Vitamin B2 eingesetzt, das mittlerweile ausschließlich durch biotechnologische Verfahren hergestellt wird. „Dies ist viel nachhaltiger als die chemische Synthese,“ betont Hoff: „Die CO2-Emissionen sind fast ein Drittel geringer, und es werden keine gesundheitsschädlichen Chemikalien mehr benötigt“.

Darüber hinaus erforscht Hoff die biotechnologische Herstellung von Wirkstoffen aus Pilzen und Bakterien, etwa Herbizide und Insektizide. „Sie verbindet auf höchstem Niveau wissenschaftliche Arbeit mit anwendungsorientierten Fragestellungen“, lobt das Preiskomitee. 23 wissenschaftliche Veröffentlichungen und 15 Patentschriften dokumentieren ihre im Industriebereich äußerst beachtlichen Forschungserfolge. „Hoff hat in außergewöhnlichem Maße dazu beigetragen, die Mikrobiologie als feste Größe in der chemischen Industrie zu etablieren“, betont VAAM-Präsidentin Christine Lang.  

Licht in das Dunkel bakterieller Genome bringt VAAM-Forschungspreisträger Nassos Typas (EMBL, Heidelberg): „Selbst bei den bestuntersuchten Mikroben kennen wir die Funktionen jedes dritten im Genom kartierten Proteins nicht.“ Seine Arbeitsgruppe entwickelte genetische und biochemische Verfahren mit hohem Durchsatz, die Rückschlüsse auf bakterielle Phänotypen (Erscheinungsformen) und Wechselwirkungen ermöglichen. Mit den gewonnenen Daten erforscht die Gruppe vor allem die Zellhülle von Bakterien, die ihrem Schutz dient, aber gleichzeitig Angriffspunkt für Antibiotika ist.

Mit innovativen Forschungsansätzen untersucht Typas die Wechselwirkungen von Wirt und Mikroben, beispielsweise zwischen Krankheitserregern wie Salmonellen, der gesunden Darmflora und dem menschlichen Darm. So identifizierte seine Gruppe Mechanismen von Arzneimittelwechselwirkungen und Strategien zur Behandlung multiresistenter Krankheitserreger. Typas zeigte kürzlich, dass Arzneimittelkombinationen unterschiedlich auf Bakterienarten wirken und dass sogar Lebensmittelbestandteile die Wirkung von Antibiotika verstärken können. Auch nicht-antibiotische Medikamente können Bakterien beeinflussen und Antibiotikaresistenz fördern.

„Typas Forschung ist kreativ, originell und hat großen Einfluss auf unsere Gesellschaft“, ist VAAM-Vizepräsident Franz Narberhaus überzeugt. Mehr als 50 veröffentlichte Artikel, viele davon in hochrangigen Zeitschriften, sowie mehr als sieben Millionen Euro erworbener externer Mittel zeugten davon, dass Typas ein großartiger Forscher, Visionär und Botschafter der Mikrobiologie sei. Typas hat schon neue Pläne: „Wir wollen systematisch den Wissensstand der wichtigsten menschlichen Darmmikroben erfassen, um so schließlich neue Modellbakterien zu entwickeln“.