Untermieter auf Manganknolle

Schwamm der Art Hyalonema obtusum in der Clarion-Clipperton-Zone. Am Stil des Schwammes wachsen Amphipoden und Nesseltiere, während zu Füßen des Stiels eine Seegurke sitzt. ©GEOMAR, ROV-Team

Schwamm der Art Hyalonema obtusum in der Clarion-Clipperton-Zone. Am Stil des Schwammes wachsen Amphipoden und Nesseltiere, während zu Füßen des Stiels eine Seegurke sitzt. ©GEOMAR, ROV-Team

 

Metallhaltige Knollen und Krusten bedecken viele tausend Quadratkilometer des weltweiten Tiefseebodens. Sie enthalten wertvolle Metalle und seltene Erden und sind daher wirtschaftlich sehr interessant. Noch gibt es keine marktreife Technologie für den Tiefseebergbau. Doch schon jetzt ist klar: Eingriffe in den Meeresboden beeinträchtigen die betroffenen Gebiete massiv und nachhaltig. Forschende aus Bremen und den Niederlanden haben nun herausgefunden, dass Schwämme, die sich gerne auf den metallischen Knollen ansiedeln, auch vielen anderen Tieren ein Zuhause bieten. Ohne die Knollen wäre der Artenreichtum in diesen Tiefseeregionen deutlich geringer.

Mit Hilfe einer Vielzahl von vorhandenen Studien sowie Bildaufnahmen es Tiefseebodens in zwei Regionen des Pazifischen Ozeans, die reich an Manganknollen sind, erstellten das Team um Dr. Tanja Stratmann vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen und Forschende des Instituts Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven sowie des Niederländischen Forschungsinstituts NIOZ ein Modell der ökologischen Vernetzung in diesen Regionen.

Die Forschenden fanden heraus, dass auf den polymetallischen Knollen oft gestielte Schwämme wohnen. Die Schwämme nutzen die harten Knollen inmitten der schlammigen Tiefseeumgebung als einzig verfügbaren festen Untergrund. Mit ihrem Stiel verankern sie sich auf der Knolle und strecken ihren Körper ins Wasser, um winzige Partikel daraus zu filtern. Zudem bilden die Schwämme selbst einen Lebensraum für andere Tiere, etwa kleine Würmer, Krebse oder Muscheln. Bei Entfernen der Knollen würde sich also die Zahl der Tierarten und Verbindungen im Nahrungsnetz verringern und die Tiefsee einfacher und weniger artenreich. 

Zusätzlich betrachtete das Team um Stratmann zwei Knollen-reiche Regionen im Pazifik, die Clarion-Clipperton-Zone und das Perubecken. In beiden Regionen störte eine Entfernung der Knollen im Modell das Ökosystem massiv. Grund dafür waren vor allem die sogenannten nicht-trophischen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Tieren. Dazu gehören sowohl Wechselwirkungen zwischen den Schwämmen und den Tieren, die auf ihnen wohnen, als auch zwischen den Schwammbewohnern untereinander. Insbesondere in der Clarion-Clipperton-Zone sind mehr als die Hälfte der Tiefseebewohner auf die ein oder andere Art von den Knollen abhängig.

Eine Entfernung der Knollen und damit auch der Schwämme, wie es durch den Tiefseebergbau der Fall wäre, würde eine Kaskade negativer Effekte für das Ökosystem auslösen. Eine schnelle Erholung ist unwahrscheinlich, denn die Knollen brauchen Millionen Jahre, um zu substanzieller Größe anzuwachsen, und das Ökosystem Tiefsee regeneriert sich nur sehr langsam.