Wie unser Gehirn Bewegungen verfolgt

Gehirn

Matthias Stangl und Kollegen von der University of California Los Angeles haben als Probanden für ihre Studie Menschen rekrutiert, die aufgrund von nicht medikamentös behandelbaren epileptischen Anfällen Elektroden ins Gehirn implantiert bekommen hatten. Diese messen die Hirnaktivität und geben im Bedarfsfall Impulse ab, die einen Krampfanfall verhindern.

Die Forscher entwickelten ein Gerät, das die Daten dieser Elektroden empfängt und das die Probanden als Rucksack mit sich tragen können. In ihrem Experiment wurden die Probanden zunächst gebeten, durch einen Raum zu gehen, während der Rucksack ihre Hirnströme empfing und ein am Kopf angebrachtes Gerät die Augenbewegungen verfolgte. Dabei zeigte sich: Immer wenn sich die Probanden einer Wand näherten, verstärkten sich bestimmte Hirnströme, sogenannte Theta-Wellen, im Temporallappen der Probanden. Per Lautsprecher erhielten die Probanden nun Anweisungen, sich zu einem gut sichtbar an der Wand angebrachten Schild zu begeben oder ein verstecktes Ziel auf dem Boden des Raumes zu suchen. Auch die zielgerichtete Bewegung spiegelte sich in einer spezifischen Theta-Aktivität.

Zur Überraschung der Forscher zeigte sich das gleiche Aktivitätsmuster, wenn sich der Proband nicht selbst durch den Raum bewegte, sondern einen Experimentator dabei beobachtete. Der Proband saß währenddessen in einer Ecke des Raumes. Als Motivation, die Bewegungen aufmerksam zu verfolgen, sollte er einen Knopf drücken, sobald der Experimentator das versteckte Ziel – das dem Probanden nun bekannt war – erreichte.

Die Ergebnisse unterstützen die Idee, dass unsere Gehirne eine universelle Signatur nutzen, damit wir uns in die Situation anderer hineinversetzen können.

Bild: Ob wir selbst uns bewegen oder ob wir einen anderen dabei beobachten – beides löst im Gehirn ähnliche Reaktionen aus.

© UCLA/ Suthana lab.