Nachgefragt: Prof. Dr. Robert Kourist im Interview

Prof. Dr. Robert Kourist ist Biotechnologe und Universitätsprofessor an der Technischen Universität Graz.

Prof. Dr. Robert Kourist ist Biotechnologe und Universitätsprofessor an der Technischen Universität Graz.

 

 

1. Nennen Sie bitte 3-5 Kern-Stichpunkte zu Ihrem Forschungsgebiet.

  • Biokatalyse
  • Photobiokatalyse mit rekombinanten Cyanobakterien
  • Protein Engineering
  • Gerichtete Evolution
  • Entwicklung enzymatischer Reaktionen zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe

 

2. Was macht für Sie die Faszination an Ihrem Forschungsbereich aus – weshalb haben Sie sich gerade für diese wissenschaftliche Thematik entschieden?
„Ich finde es unglaublich spannend, mit welcher Eleganz und Zweckmäßigkeit die Natur Probleme löst. Dies in ganz unterschiedlichen Fragestellungen bei der Untersuchung von Enzymen und Zellen immer wieder zu entdecken, ist für mich die größte Faszination in der Biokatalyse.“

 

3. Was ist für Sie das Highlight Ihrer Forschungsergebnisse der letzten 5 Jahre?
„Die Nutzung von Cyanobakterien als vielversprechende umweltfreundliche Biokatalysatoren. Über die Photosynthese können Redoxfaktoren ohne die Zugabe von organischen Cosubstraten regeneriert werden, was die Atomökonomie enzymatischer Redoxreaktionen erheblich verbessert. Darüber hinaus kann die photosynthetische Sauerstoffbildung für Monooxygenasen genutzt werden, was ein großes Problem von Prozessen für enzymatische Oxyfunktionalisierung, nämlich die effiziente Sauerstoffzufuhr ins Reaktionsmedium, löst. Ein ganz wichtiger Punkt ist auch, dass die Produktivität cyanobakterieller Biokatalysatoren an die von heterotrophen Produktionssystemen herankommt. Die Nutzung von Licht in cyanobakteriellen Biotransformationen hat so ein großes Potenzial, die Nachhaltigkeit biokatalytischer Prozesse zu verbessern.“

 

4. Bitte nennen Sie 2-5 Schlüsselpublikationen zu Ihrem Highlight-Thema.

  • K. Köninger, Á. Gómez Baraibar, C. Mügge, C.E. Paul, F. Hollmann, M.M. Nowaczyk, R. Kourist, Recombinant cyanobacteria for the asymmetric reduction of C= C bonds fueled by the biocatalytic oxidation of water, Angew. Chemie Int. Ed. 55 (2016) 5582–5585.
  • L. Assil-Companioni, H.C. Büchsenschütz, D. Solymosi, N.G. Dyczmons, K.K.F. Bauer, S. Wallner, P. Macheroux, Y. Allahverdiyeva, M.M. Nowaczyk, R. Kourist, Engineering of NADPH Supply Boosts Photosynthesis-Driven Biotransformations, ACS Catal. (2020). https://doi.org/10.1021/acscatal.0c02601.
  • Hoschek, B. Bühler, A. Schmid, Overcoming the Gas–Liquid Mass Transfer of Oxygen by Coupling Photosynthetic Water Oxidation with Biocatalytic Oxyfunctionalization, Ang. Chem., Int. Ed. 56 (2017) 15146–15149.
  • I.S. Yunus, P.R. Jones, Photosynthesis-dependent biosynthesis of medium chain-length fatty acids and alcohols, Metab. Eng. 49 (2018) 59–68. 

 

5. Von welchen Ihrer Interessen außerhalb der Naturwissenschaft hat Ihre wissenschaftliche Arbeit profitiert? Gibt es da etwas?
„Ich lese sehr gerne, und war während meiner Promotion überrascht, als ich herausfand, dass Jorge Borges in seiner Erzählung „Die Bibliothek von Babel“ das Konzept von zufallsbasierten Büchern vorstellt, und dabei viele Eigenschaften und Limitationen zufallsbasierter biotechnologischer Verfahren wie der gerichteten Evolution von Enzymen bereits in den 1940ern behandelt.“
 

6. Wie bekommen Sie den Kopf frei, wenn ein Projekt mal stockt bzw. wann fallen Ihnen die besten Lösungsansätze für eine aktuelle Fragestellung ein?
„Beim Fahrradfahren durch die Hügel um Graz oder beim Rudern kommen mir die besten Ideen für komplexe Probleme. Ganz wichtig ist es auch, Rat bei Kollegen und Familie zu suchen.“ 
 

7. Welchen Geheimtipp würden Sie gerne angehenden Wissenschaftler/innen mit auf den Weg geben?
„Ich kann nur sagen, wie wichtig es ist, eine klare Zielsetzung zu verfolgen, und sich von kurzfristigen Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen. Hier finde ich die Erzählung „The Shadow Line“ von Joseph Conrad sehr inspirierend: Es geht um einen jungen Seemann, der bei seinem ersten Kommando als Kapitän ein Schiff trotz Malaria und Windstille in den sicheren Hafen steuert, und dabei eine Krise nach der anderen meistert -weil er sich keinen Moment entmutigen lässt, und, ganz wichtig, weil er seinen Humor nicht verliert.“

 

Den Artikel von Robert Kourist et al. finden Sie in der BIOspektrum-Ausgabe 2/21: „Cyanobakterien als Biokatalysatoren